Wie mein Experiment „Leben ohne Auto“ glückte.

Es war an einem sonnigen August-Tag, als ich in mein Auto einstieg und mir Spinnweben entgegenkamen.

Bei Proventa war mit dem ersten Lockdown HomeOffice angesagt. Das bedeutete keine Dienstreisen zum Kunden, keine Fahrten in unser Frankfurter Büro und auch sonst nicht viele Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Ich bin in der Zeit also kaum mit dem Auto gefahren. In den Sommermonaten stand mein Wagen sogar mehrere Wochen still. Vermutlich dachte sich eine kleine Spinne, dass ein schnittiges Coupé aus München ein gutes neues Zuhause sei und nistete sich in meinem Auto ein. Wie sie sich ernährte, ist mir heute noch schleierhaft. Mit dem Anblick der Spinnweben kam mir urplötzlich der Gedanke, nach Ablauf der Leasing-Dauer keinen neuen Dienstwagen zu ordern und das Experiment „Leben ohne Auto“ zu wagen.

Wie das Experiment glückte und was ich damit für meinen CO2-Fußabdruck getan habe, erfahren Sie in diesem Erfahrungsbericht.

Leben ohne Auto – geht das überhaupt?

Mein Entschluss stand fest. Und so gab ich im Februar 2021 meinen Wagen im Frankfurter Autohaus ab und fuhr mit dem Zug und Bus nach Hause in den schönen Odenwald. Bahnreisen war ich gewohnt, weil ich mehrere Jahre zu meinem Lieblingskunden nach Oldenburg fast wöchentlich reiste. Doch funktioniert es auch im Privatleben?

Zurückblickend gab es eigentlich nur zwei Situationen, in denen ich die Entscheidung bereute. Einmal vergaß ich meine Maske, konnte deswegen nicht in den Bus einsteigen und musste daher nochmals nach Hause. Da ich einen Termin hatte und von meinem Heimatort der nächste Bus erst zwei Stunden später fuhr, musste ich in Eiseskälte in den Nachbarort mit dem Rad fahren, um auf einer anderen Linie nach Frankfurt zu kommen.

Ein anderes Mal ignorierte mich der Busfahrer am Abend um 21:22 Uhr an der Haltestelle und ich musste zwei Stunden auf den nächsten Bus warten. Naja, mit Social Media auf dem Handy kann man sich die Zeit ja auch gut vertreiben. Trotzdem war es ärgerlich.

Diese Zeit gehört mir

Bei den 60 km von meinem Wohnort zur Proventa am Frankfurter Mainufer bräuchte ich – wenn kein Stau auf der A5 ist – etwa eine Stunde. Mit dem ÖPNV sind es, wenn ich zu einer günstigen Uhrzeit fahre, 75 Minuten + 10 Minuten Fußweg. Das Schöne daran ist, dass die Reisezeit in der Bahn keine verlorene, sondern gewonnene Zeit ist.

Am eigenen Leib konnte ich erleben, dass der Slogan der Deutschen Bahn „Diese Zeit gehört Dir“ tatsächlich stimmt. Ein Buch lesen, mit Freunden chatten oder auch mit dem Laptop arbeiten. All dies ist möglich, ohne nervige Staus oder anderen Stress im Straßenverkehr, wie die Parkplatzsuche in der Innenstadt.

Einkaufen – kein wirkliches Problem für mich

Sie fragen sich nun, wie ich den Einkauf erledige? Natürlich auch mit dem Bus. Ich steige um 19:17 ein und fahre damit in 15 Minuten direkt vor einen Supermarkt. Dabei habe ich das Glück, dass um 20:20 wieder ein Bus zurückfährt. Ich kann also gemütlich einkaufen und habe kaum Wartezeiten. In meinen großen Wanderrucksack passt ideal mein Wocheneinkauf für meinen Single-Haushalt.

Mit ÖPNV Geld sparen

Als Betriebswirtschaftler interessierten mich auch die Kosten bzw. Ersparnisse, die ich durch meinen Auto-Verzicht habe. Ich war sehr überrascht, wie günstig für mich Mobilität in der jetzigen Situation ist. Das Ticket für den Wocheneinkauf hin und rück kostet 4,20 €. Die Fahrt zur Firma 24,80 €. Da Letzteres nicht selten nur ein oder zwei-Mal im Monat vorkommt, belaufen sich meine monatlichen Mobilitätskosten im Schnitt auf rund 50,00 €.

Im Gegensatz dazu musste ich für die private Nutzung meines Firmenwagens inklusive Tankkarte der Firma monatlich 474,00 € versteuern. Ein weiterer Vorteil des ÖPNV: Ich spare mir die Parkhausgebühren an einem Arbeitstag in Frankfurt in Höhe von 18,00 €.

Was bringt der Autoverzicht für die Umwelt?

Meine CO2-Bilanz durch das Experiment lässt sich sehen. Wenn man 1.000 km weniger mit dem Auto fährt, spart man laut Greenpeace ganze 250 Kilogramm CO2. Wäre Corona nicht gewesen, hätte ich also durch das Experiment bei meinen üblichen 25.000 km pro Jahr also 6,25 Tonnen CO2 reduziert.  Wenn ich die realen Daten meines Fahrzeugs ansetze, komme ich mit dem CO2 Kalkulator von myclimate Deutschland sogar auf 9,2 Tonnen.

Fazit

Eines ist klar und dies nicht erst durch Fridays for Future und die Klima-Bewegung: Wir pusten viel zu viel CO2 in die Luft. Der schnelle Anstieg an Treibhausgasen in der Atmosphäre ist für die Menschheit ein sehr ernst zu nehmendes Problem. Die Temperatur steigt so rasant, dass jegliche Anpassung seitens der Natur eine Umkehr fast unmöglich macht. Daher sind wir alle gefragt, gegen den Klimawandel etwas beizutragen. Es muss nicht der Verzicht auf das Auto sein, aber jeder kann mit der ein oder anderen Maßnahme seinen Beitrag leisten. In diesem Sinne: Joint change for a sustainable tomorrow.